16.05.2012

Branitz ― Friedrich der Große und Graf Brühl ― Geschichte einer Feindschaft

Ausstellung ab 25. Mai 2012 in Branitz

Die im Europäischen Parkverbund Lausitz zusammengeschlossenen Parkanlagen in Branitz, Bad Muskau, Łęknica, Brody und Forst (Lausitz) präsentieren anlässlich des 300. Geburtstag Friedrichs II. zum ersten Mal eine gemeinsame Ausstellung. Auch das Thema ist ein Novum: Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem spannungsgeladene Verhältnis des preußischen Königs zu seinem Intimfeind, dem sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl. Illustriert wird es in gleich drei Ausstellungen. Der Auftakt wird am 25. Mai 2012 in Branitz gegeben, im August folgen Brody und Forst (Lausitz).

Friedrich und Brühl

Friedrich II. von Preußen (1712–1786) hat wohl in seinem Leben nur einen anderen Menschen außer dem Vater gefürchtet: den Grafen Heinrich von Brühl (1700–1763). Doch wer war eigentlich dieser Brühl, der heute wohl am ehesten mit der Brühlschen Terrasse in Dresden assoziiert wird? Und warum hat der große Preußenkönig ihn so innig gehasst und keine Gelegenheit ausgelassen, seine Besitztümer zu ruinieren und ihn in der Öffentlichkeit zu diffamieren?
Die Besucher werden es erleben; dass Brühl eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit war, einer der reichsten Männer Sachsens und nach dem Kurfürst-König der größte Grundbesitzer des Landes – und außerdem verantwortlich für die glanzvollen königlichen Kunstsammlungen, die Dresdner Oper und die Meißner Porzellanmanufaktur. Der aggressiven Außenpolitik Friedrichs II. setzte der kunstsinnige Graf raffinierte diplomatische Strategien entgegen. Er gefährdete durch seine geschickte Außenpolitik und wechselnde Bündnisse mit den europäischen Großmächten die Erfolge des preußischen Königs – sein Ringen um ewigen Ruhm und Schlesien.

„1500 Perücken und keinen Kopf!“, das ist nur eine der Schmähungen, die Friedrich II. über Brühl in die Welt setzte. Interessant ist, wie nachhaltig Friedrichs Diffamierungen waren, wie erfolgreich das durch den Preußenkönig überlieferte negative Bild Brühls wurde.
Im Siebenjährigen Krieg befahl er dann die Plünderung und Zerstörung der Brühlschen Schlösser. Die Branitzer Ausstellung spürt den Ursachen und der Entwicklung des persönlichen Konflikts nach. Prachtvolle Gemälde, Skulpturen, Porzellane, darunter Teile von Brühls legendärem Schwanenservice, vermitteln einen Eindruck von den Persönlichkeiten der beiden Gegenspieler, erzählen von Kunstagenten, Spionen, von der Macht der Diplomatie, von Rache und Zerstörung.

Die Themenbereiche der Ausstellung


Vom Pagen zum Premierminister – Heinrich Graf Brühl

Heinrich von Brühl (1700−1763) war eine der wichtigsten und zugleich umstrittensten Personen im augusteischen Sachsen. Friedrich August II. ernannte Graf Brühl zum Kabinettsminister, Kammerpräsidenten und Inspektor sämtlicher Kassen. Ab 1738 war Brühl außerdem Kabinettsminister für innere Angelegenheiten und militärische Fragen, ab 1746 Premierminister. Der erste Ausstellungsteil stellt Heinrich von Brühl vor und erläutert seine Bedeutung als Standesherr von Forst-Pförten.

Die politischen Gegenspieler – Diplomatie, Krieg und Spionage

Kursachsen kämpfte 1740, im ersten Krieg um Schlesien, noch auf preußischer Seite gegen Österreich. Als jedoch Friedrich II. die Hoffnungen Sachsens auf eine Landverbindung mit Polen enttäuschte, unternahm Brühl eine grundsätzliche Änderung der Außenpolitik. Der „Großen Koalition“ zwischen Österreich, Frankreich, Russland und Sachsen-Polen kam Friedrich II. mit dem Überfall auf Kursachsen am 29. August 1756 zuvor. Neben diplomatischen Verstrickungen gab es Spionage und Gegenspionage, auch das ist ein Thema dieses Ausstellungsabschnittes.

Streit-Schriften

Bereits in der 1746 erschienen Schrift Histoire de mon Temps griff Friedrich seinen Kontrahenten Brühl auf das Schärfste an. Die Auseinandersetzungen zwischen Friedrich II. und Graf Brühl hinterließen in den folgenden Jahren ihre Spuren auch in der zeitgenössischen Publizistik. Diesen „Streit-Schriften“ ist der dritte Ausstellungsabschnitt gewidmet. Nicht zuletzt aufgrund der Bemühungen des preußischen Königs Friedrich II. wurde von ihm im Lauf der Geschichte ein verzerrtes, negatives und zuweilen hasserfülltes Bild überliefert, das sich bis heute bewahrt hat.

Friedrichs Zerstörungswerk/Die Nachkommen Heinrich von Brühls

Während des Siebenjährigen Krieges lebte Friedrich seinen Hass auf den Grafen zügellos aus und ließ beinahe alles, was in Sachsen an ihn erinnerte, in manischer Wut zerstören – ein Schwerpunkt dieses Ausstellungsbereiches. Abschließend werden die – ironischerweise gerade in preußischen Diensten – erfolgreichen Nachkommen Heinrich von Brühls vorgestellt. Noch im Todesjahr Friedrichs II. 1786 berief der Thronfolger Friedrich Wilhelm II. einen Sohn Heinrich von Brühls als Erzieher des Kronprinzen.

Glanzstücke der Ausstellung und ihren Geschichten


Terrine aus dem Schwanenservice

Graf Brühl war seit 1737 Hauptdirektor und Oberaufseher der Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen. Er erreichte den ökonomischen Aufschwung der Manufaktur. Zugleich war es ihm gestattet, unentgeltlich Porzellan zu beziehen – ein Privileg, aus dem eine Reihe von privaten Bestellungen resultierte. So entstand für Brühl ab 1737 das größte und prunkvollste Service, das die Manufaktur jemals hervorgebracht hat – das Schwanenservice. Es umfasste 2200 Einzelteile, deren Anfertigung fünf Jahre in Anspruch nahm. Hauptmotiv des Dekors ist der Schwan. Den Deckel der größten Prunkterrine des Services ziert die Meeresgöttin Galatea auf einem Delphin reitend mit Amor im Arm.

Johann Joachim Kaendler, Johann Gottfried Eberlein: Terrine und Untersatzplatte aus dem Schwanenservice, Meißen, 1738 | Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Porzellansammlung

Gemälde: König August III. mit Schwiegermutter und Heinrich von Brühl mit Schwiegermutter

August III. traf sich auf Schloß Neuhaus in Böhmen vom 23. Mai bis 1. Juni 1737 mit seiner Schwiegermutter, der Kaiserin-Witwe Amalie und ihrem Gefolge zur sogenannten „Familienzusammenkunft zu Neuhaus“. August Hofmaler Louis de Silvestre schuf dazu ein Monumentalgemälde, das den Hofstaat der Habsburger Kaiserin wie auch die vielköpfige sächsischpolnische Königsfamilie der Wettiner zeigte. Ein Gemälde, das kulturhistorisch außerordentlich bedeutsam ist. Eine kleinere Kopie von 1751/52 wird in Branitz zu sehen sein. Brühl an prominenter Stelle in der Nähe seines Königs. Sächsischer und österreichischer Hof auf einem Bild vereint – gegen dieses Bündnis zog Friedrich II. zu Felde.

Marie Maximilienne Silvestre: Die Familienzusammenkunft zu Neuhaus, Öl/Leinwand, 1751/52 | Privatbesitz

Brühlsches Allerlei für Friedrichs Glanz

Im Winter 1756/57 wohnte Friedrich II. für einige Monate im Palais des Grafen Brühl in der Dresdner Augustusstraße. Die Gräfin vermisste hinterher 8000 Bücher. Doch der Aufenthalt hatte auch noch andere Folgen. 1761 bestellte Friedrich II. bei der eroberten Meißener Porzellanmanufaktur ein Service nach dem Vorbild des „Brühlschen Allerlei“, also aus dem Besitz des verhassten Feindes, dass er möglicherweise sogar in dessen Palais benutzt hatte. In der Ausstellung werden einzelne Teile davon gezeigt.

Teile aus dem Service im Preußisch-Musikalischem Dessin, Sog. Möllendorf-Service , Meißen 1761/1762 | Potsdam, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Zwei Dessertteller vom Brühlschen Allerlei, Meißen, 1738 | Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Porzellansammlung

Ausstellungsreigen wird im Sommer komplett

In Brody (ehemals Pförten) steht Brühl ab 12. August als einstiger Besitzer der Standesherrschaft Forst-Pförten im Mittelpunkt. Er verwandelte Pförten in eine florierende barocke Residenzstadt, die Friedrich 1758 in Flammen aufgehen ließ. Die als Dauerausstellung konzipierte Präsentation „Brody (Pförten) – Residenz des Grafen Brühl“ erläutert in Bild und Text das Wirken Brühls, ausgehend vom aktuellen Zustand der Schloss- und Parkanlage und der bis heute erhaltenen barocken Stadtstruktur. In der Stadtkirche von Forst (Lausitz) schließlich fand der Graf seine letzte Ruhestätte. Genau hier eröffnet am 13. August die Ausstellung „Forst (Lausitz) – Graf Brühl und seine Stadt“, deren Kernstück eine gleichnamige Filmpräsentation ist.

Die Ausstellungsmacher

Kuratiert wurden die drei Ausstellungen von der Potsdamer Historikerin Dr. Simone Neuhäuser. Sie hat in den vergangenen 10 Jahren bereits zahlreiche Ausstellungsvorhaben zur Landesgeschichte betreut und freut sich u.a. auf die Publizierung der bisher weitestgehend unbekannten Fakten, die zum Bild vom „bösen“ preußischen König, dem es vor allem um seinen Nachruf ging, beitragen. Auch für den Ausstellungsarchitekten Enrico Oliver Nowka schließt sich ein Kreis, baute er doch einst eine Ausstellung zu den preußischen Tugenden in Neuhardenberg. In Branitz kann er sich nun auch den weniger tugendhaften preußischen Gebärden widmen und sogar ein Fälscherkabinett nachbauen.

Die Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen von Kulturland Brandenburg 2012 "KOMMT ZUR VERNUNFT! Friedrich der Zweite von Preuszen".

Die Verbundausstellung wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Polen (Wojewodschaft Lubuskie)–Brandenburg 2007-2013 kofinanziert.

SERVICE

Ausstellungsorte | Öffnungszeiten | Eintritt

Friedrich der Große und Graf Brühl – Geschichte einer Feindschaft
Schloss Branitz, Marstall
25. Mai – 31. Oktober 2012
täglich 10-18 Uhr / Eintritt: 3,50 €/ermäßigt 2,50 €
Robinienweg 5, D-03042 Cottbus
www.pueckler-museum.de

Brody (Pförten) – Residenz des Grafen Brühl
Schlosspark Brody
ab 12. August 2012 (Dauerausstellung)
täglich / Eintritt frei
pl. Zamkowy 9, PL-68-343 Brody
www.pfoerten.wordpress.com oder www.brody.pl

Forst (Lausitz) – Graf Brühl und seine Stadt
Stadtkirche St. Nikolai
13. August – 31. Oktober 2012
Di. – Sa. 10-16 Uhr / Eintritt frei
Am Markt 1, D-03149 Forst (Lausitz)
Tel.: +49 3562 7255 oder Gemeindebüro +49 3562 698816
www.stadtkirche-forst.de

Begleitprogramm

An den drei Ausstellungsorten bis hin zum Muskauer Park wird ein vielseitiges Begleitprogramm angeboten, das weitere Facetten beleuchtet, vgl. gesonderte Presse-Information oder www.parkverbund.eu

museumspädagogische Angebote


Programm für Schülergruppen ab Klasse 5

„Das Schwanenservice oder wie kommt der Schwan auf die Tasse“
Porzellanmalerei zum Anfassen und Ausprobieren
je Teilnehmer 1 €

Lehrerweiterbildung

Sonderführung „Friedrich der Große und Graf Brühl“
kostenfrei

Informationen und Buchung:

Museumspädagogik
Iris Sturzebecher
Telefon 0355/7515-224
E-Mail: service@pueckler-museum.de

Begleitband

Wie die Ausstellung selbst, betritt auch der Begleitband Neuland. Mit sechs Aufsätzen zum Konflikt, zur Kunstbeziehung der beiden Kontrahenten und zu Brühl als Standesherr von Forst-Pförten.

Friedrich der Große und Graf Brühl – Geschichte einer Feindschaft
Hg. von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz für den Europäischen Parkverbund Lausitz anlässlich der ersten gemeinsamen Verbundausstellung
112 Seiten, 70 teils farbige Abbildungen
ISBN 978-3-910061-21-7

Anreise

Park und Schloss Branitz sind bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Mit dem Zug von Dresden oder Berlin kommend bis Cottbus Hbf. Hier kann man direkt vor dem Haupteingang / Bahnhofsvorplatz in den Bus 10 (Pücklerlinie) einsteigen und bis zur Haltestelle "Branitz Schloss" fahren.

Park und Schloss Branitz sind gut an das städtische sowie regionale Radwegenetz angebunden: Der Fürst-Pückler-Radweg, die Niederlausitzer Bergbautour und der Spreeradweg führen direkt zum Pücklerschen Landschaftspark.

Informationen

Weitere Informationen zu den Ausstellungen und zum Begleitprogramm unter:
www.parkverbund.eu | info@parkverbund.eu | Tel. +49 355 7515221

 

 

„Grenzen überwinden durch gemeinsame Investition in die Zukunft“

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Polen (Wojewodschaft Lubuskie)–Brandenburg 2007-2013 kofinanziert.

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