08.05.2020
Branitz 1945. Das fürstliche Erbe in der Stunde Null
Die Ausstellung „Branitz 1945. Das fürstliche Erbe in der Stunde Null“ im Marstall, Besucherzentrum und an sieben Stellen im Branitzer Park berichtet von Krieg, Zerstörung und Vertreibung der gräflichen Familie von Pückler. Sie geht auf Spurensuche und erzählt vom Elan der ersten Museumsleute und Parkhüter, von Plünderungen und Provenienzen und von Kaninchen und Kartoffeln im fürstlichen Park.
Am Anfang von „Branitz 1945“ steht die gräfliche Familie von Pückler, die seit 1696 in Branitz ansässig war und Park und Schloss durch den Krieg rettete. Vorgestellt werden Familienmitglieder und deren Geschichten, sowohl „zuhause in Branitz“ als auch im Krieg und deren Nähe zu Mitgliedern des Deutschen Widerstands gegen Hitler.
Die Eigentumsverhältnisse regelte die Bodenreform ab September 1945 grundlegend neu: Äcker, Wiesen und Wälder auf knapp 760 Hektar wurden am 14. Oktober 1945 durch die Kreisbodenkommission an landarme Bauern und Flüchtlinge übergeben. Auch das Branitzer Parkgelände sollte zur Be- bzw. Zersiedelung freigegeben werden. Warum es nicht dazu kam, erzählt die Ausstellung.
Das enteignete Schloss war noch im April 1946 als Waisenhaus vorgesehen. Doch für die Stadt Cottbus stand bald fest, dass es Museum werden sollte, weil die museal genutzten städtischen Gebäude zerstört worden waren. Ein Glücksfall für den Erhalt des Schlosses und seiner Ausstattung, wenngleich der historisch bedeutende Fürst-Pückler-Ort nun teilweise ideologisch gefärbtes Stadt- und später Bezirksmuseum der DDR wurde.
Zur Nutzungsgeschichte des Schlosses Branitz als Museum ab 1946 gehört auch der Blick auf die städtische Gemäldesammlung und vor allem auf die Werke der bedeutenden Carl-Blechen-Sammlung der Stadt Cottbus, die seit 1955 fortdauernd in Branitz präsentiert wird. Im Ausstellungsteil im Besucherzentrum steht ein spektakulärer Rückkehrer im Mittelpunkt: 75 Jahre nach Kriegsende kehrt Blechens italienische Ölskizze „Aus dem Apennin“ zurück nach Cottbus. Verschwunden war das Bild 1945 aus seiner Kriegsauslagerung im Gutshaus Klein-Döbbern, in dem u. a. die bedeutendsten Gemälde der städtischen Kunstsammlung seit Dezember 1943 lagerten, um sie vor Kriegsschäden zu schützen.
Die Sonderausstellung „Branitz 1945“ berichtet von Verlust und Wiedergewinnung, vom fürstlichen Erbe, das heute teils in ganz Europa verstreut zu finden ist und das aber auch – fortlaufend – den Weg zurück nach Branitz findet. Möbel, Gartenkunst, Archivalien und zum Beispiel die Pückler-Callenberg-Bibliothek gehören zu den Rückkehrern. Erstmals seit 1945 kann auch ein Kunstwerk präsentiert werden, das einst den Blauen Salon zierte: Die Cupido-Büste des Bildhauers Bertel Thorvaldsen, die nach 1945 in die Sammlung des DDR-Dramatikers Peter Hacks gelangt war.
Die Ausstellung findet zudem an sieben Orten im Branitzer Park statt. Hier sind Spuren des Krieges und der Nachkriegszeit teils noch heute ablesbar oder anhand von Inszenierungen erkennbar.
„Branitz 1945“ ist als Sonderausstellung im Rahmen des Themenjahres „KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg“ – Kulturland Brandenburg 2020“ vom 8. Mai bis 30. September 2020 im Marstall, Besucherzentrum und bei fünf Interventionen im Branitzer Park zu sehen.